Untersuchungen zur Insektenvielfalt der Großstadt Köln – Bestandsentwicklungen, Bestäuber, Nützlinge, Handlungsempfehlungen

Das Insektensterben kann zu ähnlich großen Problemen führen wie der Klimawandel – Maßnahmen zum Stopp des Rückgangs und zur Wiederbelebung der Insektenpopulationen sind daher dringend erforderlich. Zwar ist der Rückgang der Insekten sehr gut belegt (in den Roten Listen und anhand der Krefelder Studie: „Rückgang der Gesamtbiomasse der Fluginsekten um durchschnittlich 76%“), detaillierte Informationen, welche Arten genau in welchem Umfang betroffen sind, liegen aber nur für sehr wenige Teilgruppen vor. Das Problem: Allein in Deutschland kommen mehr als 34000 verschiedene Insektenarten vor und nur für einen kleinen Teil besitzen wir ausreichende Informationen zu Verbreitung, Biologie und Ökologie. Im Bereich der Großstadt Köln bietet sich die einmalige Gelegenheit, sehr umfangreiche und detaillierte Untersuchungen aus den Jahren 1989 bis 1994 (und für die als Bestäuber außerordentlich wichtigen Wildbienen auch aus den 1930er bis 1950er Jahren) zu wiederholen und so besonders aussagekräftige Daten auf Artniveau zu erhalten. Die für die Jahre 2019 bis 2021 geplanten Erfassungen konzentrieren sich im Wesentlichen auf die beiden größten Insektenordnungen: die Hautflügler und Zweiflügler. Mit mehr als 19000 Arten umfassen sie mehr als die Hälfte aller in Deutschland vorkommenden Insekten und sie stellen zudem die wichtigsten Bestäuber und Nützlinge, deren vollständiges Verschwinden zum Zusammenbruch unserer Ökosysteme führen würde. Ermöglicht wird eine derart umfangreiche Untersuchung erst durch die seit kurzem verfügbare Methode des DNA-Metabarcodings, mit der große Menge Insekten zeit- und kostensparend bestimmt werden können. Die Erfassung stellt somit zugleich eine Grundlagenerhebung zur Fauna der flugaktiven Insekten insgesamt und die Basis für zukünftige Untersuchungen dar. Als weiterer wesentlicher Teil des Projektes werden Fördermöglichkeiten für Insekten beschrieben und konkrete Maßnahmen für das Stadtgebiet konzipiert. Maßnahmen, die das Management der für die Insektenvielfalt besonders wichtigen Grünlandflächen betreffen, werden von einem speziellen Monitoring begleitet, das flächenscharfe Daten zur Bestandsentwicklung der Insekten liefern wird.

Auftraggeber: Stadt Köln.

Laufzeit: 2019 bis 2021.

Untersuchte Tiergruppen: Alle flugaktiven Insekten. Der Schwerpunkt liegt auf den wichtigsten Bestäubern (Wildbienen, Schwebfliegen, aculeate Wespen u.a.) und Nützlingen (Raupenfliegen, Echte Schlupfwespen, Brackwespen u.a.).

Handlungsempfehlungen: „Handlungsempfehlungen für die Stadt Köln zur Bekämpfung des Insektensterbens“ (12 MB).

Untersuchungsergebnisse aus den Jahren 2019 bis 2021: werden zukünftig auf einer Website präsentiert.

Untersuchungsergebnisse aus den Jahren 1989 bis 1994: Veröffentlicht in HOFFMANN, H.-J. & W. WIPKING (1992): Beiträge zur Insekten- und Spinnenfauna der Großstadt Köln. Decheniana-Beihefte 31: 1-619 und HOFFMANN, H.-J., W. WIPKING & K. CÖLLN (1996): Beiträge zur Insekten-, Spinnen- und Molluskenfauna der Großstadt Köln (II). Decheniana-Beihefte 35: 1-696.

Daten zur historische Wildbienenfauna von Köln: Veröffentlicht in AERTS, W. (1949): Die Bienenfauna der Kölner Bucht. Wissenschaftliche Mitteilungen des Vereins für Natur- und Heimatkunde in Köln am Rhein 3: 3-35 und AERTS, W. (1960): Die Bienenfauna des Rheinlandes. Decheniana 112: 181-208.

Nachhaltige Förderung der Biodiversität im Gemüseanbau mittels mehrjähriger Blühflächen

Ziel des Projektes ist die Förderung der Biodiversität in der Agrarlandschaft unter besonderer Berücksichtigung der Wildbienen. Im Jahr 2017 wurden im Raum Kempen (Nordrhein-Westfalen) 7,17 Hektar Blühfläche (21 Teilflächen) in der Agrarlandschaft angelegt und ein Modellbiotop mit speziellen Nisthabitaten (Erdhügel, Sandfläche, Trockensteinmauer, Insektenhotel) geschaffen. Weitere Maßnahmen werden im Projektverlauf folgen. Begleitet wird das Projekt durch ein umfangreiches Monitoring der Insektenfauna und eine quantitative Erfassung der Insektenbiomasse unter Berücksichtigung der Nützlingsfauna.

Auftraggeber: Absatzzentrale Kempen.

Laufzeit: 2017 bis 2019.

Untersuchte Tiergruppen: Wildbienen, aculeate Wespen (Hymenoptera: Apidae, Crabronidae, Sphecidae, Ampulicidae, Pompilidae, Vespidae, Tiphiidae, Sapygidae, Mutillidae, Chrysididae), Tagfalter (Lepidoptera: Papilionidae, Pieridae, Lycaenidae, Nymphalidae, Riodinidae), Schwebfliegen, Raupenfliegen, Bohrfliegen, Raubfliegen, Schwingfliegen, Hummelschweber (Diptera: Syrphidae, Tachinidae, Tephritidae, Asilidae, Sepsidae, Bombyliidae).

Ergebnisse: Zwischenbericht 2. Projektjahr 2018 (7 MB).

Nachhaltige Förderung von Wildbienen und Wespen im Obstbau mittels Nisthilfen

Blühflächen alleine reichen nicht aus, um Bestäuber nachhaltig zu fördern. sie benötigen auch ihre spezifischen Nistsubstrate. An verschiedenen Standorten im Obstbaugebiet bei Dohna (Sachsen) wurden Nisthilfen installiert: Erdhügel mit Steilwänden für im Boden nistende Arten, Sandflächen für Sandspezialisten, Totholzhaufen und klassische Insektenhotels unterschiedlicher Bauweise für oberirdisch nistende Arten und spezielle Mauerbienen-Nisthilfen für die als Obstbaumbestäuber besonders wichtigen Mauerbienen. Begleitet wird das Projekt durch ein Monitoring der Wildbienen und Aculeaten Wespen. Letztere besitzen in etwa die gleichen Nistplatzansprüche wie Wildbienen und können darüber hinaus auch als Nützlinge fungieren.

Auftraggeber: VEOS Vertriebsgesellschaft für Obst mbH, Bayer CropScience Deutschland GmbH.

Laufzeit: 2017 bis 2019.

Untersuchte Tiergruppen: Wildbienen, Echte Grabwespen, Langstiel-Grabwespen, Schaben-Grabwespen, Wegwespen, Faltenwespen, Rollwespen, Keulenwespen, Spinnenameisen, Goldwespen, Dolchwespen (Hymenoptera: Apidae, Crabronidae, Sphecidae, Ampulicidae, Pompilidae, Vespidae, Tiphiidae, Sapygidae, Mutillidae, Chrysididae, Scoliidae).

Ergebnisse: Zwischenbericht 2. Projektjahr 2018 (5 MB).

Förderung der Biodiversität mittels Blühstreifen im Apfelanbau

Im Rahmen eines Bayer CropScience Food Chain Projektes wurden die Auswirkungen mehrjähriger Blühstreifen auf die Biodiversität einer Apfelanlage in der Nähe von Pirna (Sachsen) untersucht. Die Insektenfauna erwies sich als ausgesprochen artenreich. Insbesondere am Beispiel der quantitativ erfassten Hummeln und ihrer Parasiten konnte klar gezeigt werden, dass sich die Blühstreifen positiv auswirken: Arten- und Individuenzahlen nehmen mit der Zeit wieder zu und es treten parasitische Arten auf, für die vorher keine ausreichend großen Wirtspopulationen zur Verfügung standen. Durch die Anlage der Blühstreifen konnte die Biodiversität in der Apfelanlage insgesamt deutlich gesteigert werden.

Auftraggeber: Bayer CropScience Deutschland GmbH.

Laufzeit: 2012 bis 2016.

Untersuchte Tiergruppen: Wildbienen, Aculeate Wespen, Tagfalter, Schwebfliegen, Raupenfliegen, Bohrfliegen (Hymenoptera: Apidae, Crabronidae, Pompilidae, Vespidae, Tiphiidae, Mutillidae, Chrysididae; Lepidoptera: Papilionidae, Pieridae, Lycaenidae, Nymphalidae, Riodinidae, Hesperiidae; Diptera: Syrphidae, Tachinidae, Tephritidae).

ErgebnisseAbschlussbericht 2016 (7 MB).

Erfassung der Hautflügler im Nationalpark Eifel

Ziel des Projektes ist die möglichst vollständige Erfassung der Hautflügler des Nationalparks als Grundlagenerhebung zur Fauna des Parks. Neben der Untersuchung zahlreicher Teilbereiche des Parks mittels Sichtfang wurden in den Jahren 2009 bis 2012 insgesamt acht Malaise-Fallen eingesetzt und im Jahr 2012 fünf Lufteklektoren, die je nach Waldtyp in Höhen zwischen 3 und 16 Metern aufgehängt wurden. Die Auswertung des sehr umfangreichen Fallen-Materials dauert noch an.

Auftraggeber: Nationalparkforstamt Eifel.
Laufzeit: 2009 bis 2012.
Untersuchte Tiergruppen: Hautflügler (Insecta: Hymenoptera).
Kooperationspartner: Fachkollegen, staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart.
Zwischenergebnisse: finden sich in der Digitalen Artenliste des Nationalparks.
Abschlussbericht: in Vorbereitung.

Erfassung der Fliegen im Nationalpark Eifel

Ziel des Projektes ist die möglichst vollständige Erfassung der Fliegen des Nationalparks als Grundlagenerhebung zur Fauna des Parks. Neben der Untersuchung zahlreicher Teilbereiche des Parks mittels Sichtfang wird auch das umfangreiche Fallenmaterial (Malaise-Fallen und Lufteklektoren) aus der vorangegangenen Untersuchung der Hautflügler (s.o) ausgewertet.

Auftraggeber: Nationalparkforstamt Eifel.
Laufzeit: seit 2014.
Untersuchte Tiergruppen: Fliegen (Insecta: Diptera: Brachycera).
Kooperationspartner: Fachkollegen.
Zwischenergebnisse: finden sich in der Digitalen Artenliste des Nationalparks.

Wildbienen und Wespen Nordrhein-Westfalens

Die Erforschung der Wildbienen- und Wespenfauna Nordrhein-Westfalens begann Mitte des 19. Jahrhunderts. 1999 erschien erstmals eine Rote Liste für den Landesteil Westfalen, 2004 erschien der Band „Stechimmen in Nordrhein-Westfalen – Ökologie, Gefährdung, Schutz“. Seit 2009 ist erstmals eine Rote Liste für ganz Nordrhein-Westfalen verfügbar, die in Zukunft fortgeschrieben werden soll. Seit 2005 kümmert sich der rein ehrenamtliche „Arbeitskreis Wildbienen und Wespen Nordrhein-Westfalens“ um die Sammlung und Aufbereitung der Daten.

Rote Liste: ESSER, J., M. FUHRMANN & C. VENNE (2010): Rote Liste und Gesamtartenliste der Wildbienen und Wespen (Hymenoptera: Apidae, Crabronidae, Sphecidae, Ampulicidae, Pompilidae, Vespidae, Tiphiidae, Sapygidae, Mutillidae, Chrysididae) Nordrhein-Westfalens. 1. Fassung, Stand November 2009. Ampulex 2: 5-60. Komplett als pdf (5 MB) oder in Tabellenform auf der Seite des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen.

Verbreitungskarten: Projekt Hymenoptera Deutschland.